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25. März 2022 | Redaktionsteam | merkur-start up

Skills und Herausforderungen in der Unternehmensnachfolge mit Matthias Jun

Ein Unternehmen zu übernehmen, wird in Zukunft für Gründer häufiger der Fall sein. Zahlreiche Unternehmen sind auf der Suche nach geeigneten Nachfolger, doch worauf kommt es bei der Unternehmensnachfolge an? Das fragen Sie sich vielleicht auch und da setzt dann auch die Nachfolgeberatung an. Denn die Unternehmensnachfolge lässt sich besser bewerkstelligen und vorbereiten, wenn Sie einen Experten dafür an der Seite haben. Dazu haben wir Nachfolgeberater und Coach Matthias Jun einmal interviewt, um Ihnen noch mehr Einblicke in den Nachfolgeprozess geben zu können.

Nachfolgeberatung mit Matthias Jun

Nachfolge will gelernt sein – könnte man sagen. Denn bei der Übernahme eines bestehenden Unternehmens oder auch einer Praxisübernahme stehen Gründer vor ganz besonderen Herausforderungen und diese werden durch die zunehmende Digitalisierung und den Nachfolgermangel nicht leichter. Nachfolge läuft natürlich auch anders ab als eine Neu-Gründung und daher ist es wichtig, sich das nötige Know-how zu verschaffen. Doch wie gelingt das? Ganz einfach mit einem Berater an Ihrer Seite, der Sie beim gesamten Prozess der Nachfolge begleitet. Matthias Jun ist unter anderem Experte für die Nachfolge und unterstützt Unternehmer und Nachfolger bei der Übernahme eines Unternehmens. Daher haben wir ihn einmal gefragt, wo er die Chancen und Hürden für Gründer und Unternehmer sieht, die eine Unternehmensnachfolge in Zukunft anstreben. Das gesamte Interview können Sie hier nun lesen:

Wenn man den Studien glaubt, dann werden in den nächsten 3 – 10 Jahren zahlreiche Unternehmen die Nachfolge anstreben und auch umsetzen können. Die meisten Unternehmer sind optimistisch gestimmt, auch wenn die Zahlen vermehrt zeigen, dass die familieninterne Nachfolge in den Corona-Krisenjahren doch am erfolgversprechendsten und beliebtesten ist (Quelle: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2021). Sehen Sie insgesamt hier die Weichen gestellt für die vielen Unternehmen, die auf der Suche nach Nachfolgern sind? Oder fehlen Ihrer Meinung nach noch die Voraussetzung dafür – wirtschaftlich und auch gesamtgesellschaftlich?

Der springende Punkt für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist, dass ein klarer Übergabefahrplan entwickelt wird. Dieser benötigt mindestens drei bis fünf Jahre Vorlauf, um die Weichenstellung dieses sehr komplex verlaufenden Übergabeprozesses effektiv vorzubereiten. Weitere Indikatoren, die in diesem Kontext eine entscheidende Rolle spielen sind:

  • Der Unternehmer hat das Thema klar für sich definiert und nicht bis zur bevorstehenden Betriebsaufgabe verdrängt.
  • Der Unternehmer ist sich der Komplexität absolut bewusst und lässt sich von Experten zu Beginn des Übergabeprozesses fachlich und persönlich unterstützen. Jeder Übergabeprozess muss individuell gestaltet werden. Hier gilt es unterschiedliche Dimensionen wie z.B. strategische Planung, beziehungsbezogene Dimensionen, finanzielle und rechtliche Dimensionen, sowie persönlich individuelle Themenstellungen unter einen Hut zu bringen.
  • Die wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge wichtig. Durch die andauernde Corona-Pandemie haben sich die Übergabebedingungen deutlich verschlechtert, sodass zahlreiche Nachfolgepläne verschoben wurden. Dieser Coronaknick scheint jetzt jedoch überwunden, das zeigt ja auch das KFW „Nachfolge Monitoring Mittelstand 2021“. Daher können Unternehmen jetzt so langsam wieder optimistischer in die Nachfolgeplanung gehen.

Wenn die familieninterne Nachfolge immer noch am beliebtesten ist, woran liegt das? Sind Übergabe und Strukturen dabei leichter?

Familiennachfolgen sind, auch das stützt die KFW Studie, insbesondere in der Coronakrise die beliebteste Option der Unternehmensnachfolge. Der entscheidende Hebel hierfür ist das persönliche Beziehungsgeflecht innerhalb der Familiennachfolge. Das zusammenfinden von Übergeber und Nachfolger kann deutlich besser vorbereitet werden, da die potenziellen Nachfolger überwiegend bereits im Unternehmen tätig sind. Sehr oft steht der Nachfolger oder die Nachfolgerin bereits zu Beginn des Übernahmeprozesses fest, was zu einer Effizienzsteigerung und einer Zeiteinsparung des gesamten Übergabeprozesses führt. Allerdings ist eines dabei auch zu bedenken, und zwar die demografische Entwicklung in Deutschland, denn die Anzahl der zur Verfügung stehenden familieninternen Nachfolger/in ist natürlich durch eine sinkende Zahl an Kindern als potentielle Nachfolger gekennzeichnet.

Unabhängig von der Nachfolge durch Generationswechsel, es gibt auch zahlreiche andere Nachfolgemodelle. Welche sehen Sie in Zukunft an Bedeutung gewinnen?

Neben der üblichen Familiennachfolge kommen externe Käufer in Frage, die über die entsprechenden Finanzressourcen verfügen und den Wert auf ein etabliertes Geschäftsmodell legen und die keine zeitintensiven Akquisitionen durchführen müssen, um einen Kundenstamm aufzubauen. Darüber hinaus stehen Mitarbeiter, Lieferanten und das technische Engineering in Regel zur Verfügung. Das bietet große Vorteile. Die Unternehmen, die eine Nachfolge planen sind durch eine hohe Eigenkapitalstärke und gute Ertragskraft bereits im Markt etabliert. Darüber hinaus können auch Existenzgründer einen hohen Beitrag zur erfolgreichen Unternehmensnachfolge leisten. Dies setzt allerdings voraus, dass diese über finanzielle Ressourcen durch Eigenkapital und Fremdkapital verfügen. Zur Abrundung sei erwähnt, dass auch Mitarbeiter des Unternehmens das Unternehmen erwerben können, falls die persönlichen Voraussetzungen der Fach-Führungs- und sozialen Kompetenzen vorhanden sind. Durch die steigende Beteiligung am Unternehmenskapital, die mit mehr Verantwortung im Unternehmen einhergeht, kann eine schrittweise Übertragung der Unternehmen erfolgen.

Wer Interesse an einer Nachfolge hat, fragt sich vielleicht auch, ob er überhaupt geeignet ist. Was würden Sie zu den wichtigsten Nachfolge Skills zählen? Kann man sich darauf vorbereiten oder dazu weiterbilden?

Zu den wichtigsten Nachfolge Skills gehören zunächst die Fachkompetenz, die der Nachfolgekandidat durch entsprechende Branchenkenntnis nachweisen muss. Neben den fachlichen Voraussetzungen sind jedoch die persönlichen und sozialen Kompetenzen von vorrangiger Bedeutung. Hierzu gehört das unternehmerische Denken, das sich durch die folgenden Anforderungen gekennzeichnet ist:

  • Die Entwicklung von Strategien und Visionen, um beispielsweise neue Märkte zu erschließen.
  • Die konsequente Ableitung von Ziel- und Maßnahmen, sowie Know-how im Controlling sind darüber hinaus unentbehrlich.
  • Abgerundet werden diese Anforderungen durch Flexibilität im Verhalten, der Blick für das ganze Unternehmen.

Im Bereich der sozialen Kompetenzen ist die Wahrnehmung der Führungsrolle, die Delegation von Aufgaben und die Wertschätzung von Mitarbeitern wichtig. Nicht zuletzt muss eine hohe Kommunikationsfähigkeit mitgebracht werden, um klar und verständlich zu kommunizieren und ein auf Wertschätzung ausgerichtetes nachhaltiges Beziehungsmanagement aufzubauen. In der Praxis hat sich innerhalb der familiären Unternehmensnachfolgen oft eine gewisse Betriebsblindheit ergeben, da man den „den richtigen“ Kandidaten oft ohne externes Monitoring ausgewählt hat. Wichtig ist, dass der zukünftige Übernahmekandidat neben Erfahrungen im eigenen Betrieb auch bereits über den Tellerrand hinausgeschaut hat, z.B. durch Auslandspraktika und/ oder verantwortliche Tätigkeiten in fremden Unternehmen.

Was raten Sie angehenden Nachfolgern, worauf ist besonders zu achten? Was macht die Nachfolge zu einem Erfolg auf ganzer Linie?

Der entscheidende Faktor für die erfolgreiche Unternehmensnachfolge ist die Erstellung eines Übergabefahrplanes, der mindestens drei bis fünf Jahre vor der angedachten Firmenübergabe erstellt werden muss. Hierbei sind drei Analysen ausschlaggebend, die Nachfolger-, Übergeber- und Unternehmensanalyse. Darüber hinaus ist die derzeitige und zukünftige Marktpositionierung zu prüfen. Die Herausarbeitung der Unterschiede in der persönlichen operativen und strategischen Denkweise zwischen Übergeber und Übernehmer, sowie persönliche Lebensziele sind ebenso zu berücksichtigen. Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass ein verantwortlicher Projekt- oder Prozessbegleiter den Übergabeprozess plant, strukturiert, koordiniert und überwacht. Hierbei bietet sich ein individueller Coachingprozess an, der über den gesamten Zeitraum die entscheidenden Meilensteine absichert.

In der Konzeptionsphase werden die wesentlichen Ergebnisse der vorangegangen Analysephase zusammengestellt, bewertet und es werden alternative Szenarien erarbeitet. Bei Unternehmensnachfolgen innerhalb der Familie ist es wichtig, bereits den Führungsnachwuchs zu qualifizieren und die Verantwortungsübergabe suggestiv auf die Probe zu stellen, sodass der geeignetste Kandidat herausgefiltert werden kann. Abgerundet wird dieser Punkt durch die Einbeziehung der psychologischen Aspekte der Unternehmensnachfolge. Die gegenseitigen Erwartungen und Ansprüche müssen sichtbar gemacht werden. Nur so können irrationale Vorstellungen und Ängste hinsichtlich der Unternehmensaufgaben und der Übernahme eliminiert werden.

Von entschiedener Bedeutung ist das kaufmännische und betriebswirtschaftliche Knowhow. Der Übernehmer sollte in diesem Bereich hellwach sein und sich auf Augenhöhe mit den Experten (Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Banker) austauschen können. Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen sollte er lesen und beurteilen können. Last but not least ist die Fähigkeit zur Resilienz wichtig. Insbesondere in Krisenphasen oder bei bevorstehenden Veränderungsprozessen sollte der Übernehmer psychisch stabil sein und auf persönliche und soziale Ressourcen zurückgreifen können.

Vielen Dank Matthias Jun, für diese Einblicke zu Herausforderungen und Chancen bei der Unternehmensnachfolge.

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