27. Juni 2019 | Redaktionsteam | merkur-start up

PR für Kreative und Künstler mit Barbara Rauthe-Reichenbach

Gründer und Freiberufler, die sich im Bereich Kreativ- und Kulturwirtschaft ansiedeln wollen, stehen vor besonderen Herausforderungen. Der Markt für Produkte und Dienstleistungen wächst weiter, doch die Kunden zu überzeugen, ist in diesem Bereich noch schwieriger und eine entsprechende Preispolitik muss ausgeklügelt sein. Wie sich Künstler, Kreative und Designer trotzdem behaupten können und entsprechend Bekanntheit mit der richtigen PR-Strategie erlangen, das verrät Barbara Rauthe-Reichenbach im Interview. Sie ist Beraterin für kreative und freie Berufe für die merkur-start up am Standort Dresden sowie Leipzig und Berlin.

 

Bereits seit 1995 ist sie selbstständig als Beraterin tätig und gibt ihr Wissen und ihre Kenntnisse über die Kreativ- und Kulturwirtschaft sowie als Trainerin für Sozial-, Geistes- und Kulutrwissenschaften weiter. Ihre zahlreichen Berufserfahrungen in Kunst- und Kultureinrichtungen, in der Öffentlichkeitsarbeit sowie im kaufmännischen Bereich als auch in der Erwachsenenbildung geben Barbara Rauthe-Reichenbach eine fachkundige Expertise, um im Coaching wertvolle Einsichten mit Ihren Coachees teilen zu können. Dieses Wissen macht sie in der Beratung von Existenzgründern und bei Ihrer Arbeit als geschäftsführende Inhaberin von KREACON e.K. so erfolgreich. Im Interview gibt sie Ihnen nun einen Einblick, worauf es bei der Öffentlichkeitsarbeit für Kreative und Künstler wirklich ankommt:

Gerade für Gründer, die sich im Bereich Kreativ- und Kulturwirtschaft selbstständig machen und gründen, gibt es zu Beginn viele Hürden. PR kann dabei ein wichtiges Instrument sein, um bekannt zu werden. Wie sieht PR für Künstler und Kreative aus, die den Gründern wirklich Erfolg bringt?

Zunächst gilt es festzustellen, dass die Branche der Kreativwirtschaft mit ihren 11 Teilbranchen alles andere als homogen ist. Der klassische Bildende Künstler wird hier bei seinem Marketing andere Wege gehen müssen, als etwa die Rockmusikerin, eine Filmproduktionsgesellschaft, eine Tänzerin, ein Team in der Games-Entwicklung oder ein Autor.

Es empfiehlt sich aber durchaus für jeden, alle sogenannten Marketing-Aktionsinstrumente (Produkt, Preis, Distribution, Kommunikation) als grundsätzliche „Stellschrauben“ anzuschauen und zu überlegen, was man unter dem jeweiligen Aspekt, im jeweils eigenen Tätigkeitsfeld, in Abhängigkeit von Markt und Zielgruppe, konkret tun kann.

Wie lässt sich am besten Aufmerksamkeit für die eigene Gründung bzw. das eigene Produkt erzielen? Wie hat man schnell Erfolg mit der Öffentlichkeitsarbeit?

Die erste Voraussetzung, um Aufmerksamkeit zu erzielen ist natürlich, dass es gelingt, sich sichtbar zu machen, idealerweise in prägnanter Weise. Das gelingt sicher am einfachsten und kostengünstigsten zunächst über die sozialen Netzwerke. Tue Gutes, Schönes und Sinnstiftendes und rede darüber – dieser alte Grundsatz gilt nach wie vor.
Dabei ist es mit dem „schnellen Erfolg“ in der Kreativwirtschaft so eine Sache, PR-Maßnahmen entfalten ihre Wirkung hier oft subtiler und langsamer als etwa im Einzelhandel oder in der Gastronomie.

Sehen Sie besondere Kanäle im Bereich PR und auch Marketing, die sich für Künstler und Kreative nutzen lassen?

Besondere Kanäle… , nicht wirklich. Aktivität im Social Web ist sicher der am leichtesten zugängliche Weg, auf die eigenen Angebote und Projekte aufmerksam zu machen. Analoge Branchentreffs und Informationsveranstaltungen, aus denen Synergien oder teilweise größere Projekte erwachsen, sind hilfreich oder auch Cross-Over-Aktionen mit regionaler Wirtschaft und ortsansässigen Unternehmen bringen Effekte und Aufmerksamkeit. Eine Möglichkeit ist der Kreativwirtschaft vielleicht in überdurchschnittlicher Weise gegeben: Sie kann Live-Erlebnisse schaffen und Menschen direkt emotional ansprechen. Bei solchen Live-Events sollte man durchaus auch auf die klassische Pressearbeit setzen. Lokale Zeitungen, Fernseh- und Radiosender berichten gern über Interessantes vor Ort und mit richtig guten Sachen hat man durchaus auch Chancen, Aufmerksamkeit bei spezialisierten Medien zu bekommen, wie etwa bei Deutschlandradio Kultur oder ARTE.

In der jüngeren Zeit nehmen wir auch wahr, dass nicht nur Preise und Wettbewerbe im strengen Branchenkontext den Kreativen Aufmerksamkeit und Reputation bringen, sondern dass auch regionale Preise und Ausschreibungen zumindest Achtungserfolge bringen können.

Welche Rolle spielen Social Media, Blogs, Podcasts und Co. für Gründer in der Kreativ- und Kulturwirtschaft? Gibt es besondere Herausforderungen?

Eine besondere Herausforderung – allerdings nicht nur für die Kreativwirtschaft – ist die Vielfalt der sozialen Medien, ihre durchaus unterschiedliche Wirkungsweise und das hohe Tempo deren Weiterentwicklung. Hier ist es sehr wichtig, genau die Ziele der Aktivitäten zu bestimmen (Verkauf, Bekanntheitsgrad, Information…) und die Social Media-Kanäle dafür passgenau auszuwählen. Die eigene Webseite, der eigene Blog bleiben daneben immer wichtig. Ab und zu sollte man sich auch mal wieder die grundsätzlichen Ziele von PR – und Marketingmaßnahmen klar machen: Es reicht nämlich eben nicht, dass alle möglichen Leute die Dingen schön, spannend, interessant und toll finden, sondern es kommt darauf an, den Bekanntheitsgrad auf seinem speziell definierten Teilmarkt zu etablieren und letztlich auch damit Geld zu verdienen, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern. Geld hier als Äquivalent für Anerkennung und Wertschätzung zu erkennen und einzufordern ist ein wichtiger Ansatz dafür, dass die Kreativen nicht nur für ihren Job, sondern auch von selbigem leben können und wollen.

Networking spielt dabei natürlich auch eine große Rolle. Welche Kontakte sind beim Netzwerkaufbau wichtig? Welche Netzwerke gibt es für Kreative und Künstler? Was raten Sie Gründern in diesem kreativen Bereich?

Ich rate stets zu einem guten Mix aus sozialen und analogen Netzwerkkontakten, eines ohne das andere reicht heute nicht mehr. Kunst selbst entfaltet ihre tiefe Wirkung im direkten, unmittelbaren Erleben und mit Netzwerkkontakten ist es ganz ähnlich. Die Pflege der ausgewählten sozialen Netzwerke ist wichtig, genauso wie persönliche Kontakte in Branchennetzwerke der Kreativwirtschaft und Berufsverbände hinein. Nicht zu vergessen ist auch die Ansprache spezieller Kunstvermittler (Galeristen, Agenturen, Konzertveranstalter, Produktionsgesellschaften u.ä.) und der stets individuell zu identifizierenden Multiplikatoren.

Um sich auch die analoge, persönliche Netzwerkarbeit leichter zu machen, rate ich immer auch zur systematischen Erfassung wichtiger Kontakte, um sie einfach und schnell für diverse Aktionen verfügbar zu haben. Selbstverständlich muss diese Erfassung auch bei Kreativen DSGVO konform erfolgen… – aber das ist dann schon ein anderes Thema.

Vielen Dank für das Interview und die wertvollen Einblicke, wie Künstler und Kreative mit der richtigen PR auf sich und ihre Arbeit aufmerksam machen können.

 

Wenn Sie nun Interesse an einer Gründungsberatung oder explizit zu Fragen rund um PR für Ihre Gründung im Bereich Kreativwirtschaft bekommen haben, können Sie sich bei der merkur-start up einen Termin für das kostenfreie Erstgespräch holen. Schreiben Sie dafür einfach eine Mail oder rufen Sie unter 0800.0007827 an!

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