14. Dezember 2017 | Redaktionsteam | merkur-start up

Nebenberuflich selbstständig: Die 5 wichtigsten Fakten

Die Gründung in Form der nebenberuflichen Selbstständigkeit ist beliebt und boomt geradezu, denn über die Hälfte aller Gründungen sind nebenberuflich. Diese Verwirklichung eines Traumes als nebenberuflich Selbstständiger scheint für viele attraktiver zu sein, als direkt im Haupterwerb freiberuflich zu sein. Durch das gesicherte Monatseinkommen über den Haupterwerb ergeben sich natürlich Vorteile und auch ein geringeres finanzielles Risiko, falls die Selbstständigkeit doch scheitern sollte. Vielleicht sind auch Sie am Überlegen, sich nebenbei noch selbstständig zu machen, um Ihr Einkommen aufzubessern oder aber ihre Leidenschaft auch zum Beruf zu machen, zumindest in Teilzeit. Sollten Sie sich mit dem Gedanken tragen, dann finden Sie hier die nötigen Hürden und Pflichten einmal aufgezählt.

#1: Grenzen in Bezug auf zeitlichen Aufwand und Einkommen

Eine nebenberufliche Selbstständigkeit ist nur dann nebenberuflich, solange ein gewisser Rahmen eingehalten wird. Dieser Rahmen bezieht sich auf die Arbeitszeit, die Sie für diese Selbstständigkeit aufwenden und auf das dadurch erzielte Einkommen. Im Grundsatz geht es dabei, welche Ihrer Beschäftigungen den Arbeitsmittelpunkt darstellt. Aus dieser Überlegung heraus ist festgelegt, dass das Einkommen aus der freiberuflichen Nebentätigkeit Ihr Arbeitseinkommen aus dem Angestelltenverhältnis nicht übersteigen darf. Für die Arbeitszeit gilt, dass diese sich an einer Richtzeit von höchstens etwa 18 Stunden pro Woche für die nebenberufliche Selbstständigkeit orientiert. Dies sollten Sie beachten, um nebenberuflich selbstständig sein zu können, andernfalls ergeben sich Änderungen in Bezug auf Sozialversicherung und auch das Arbeitnehmerverhältnis.

#2: Meldepflichten wie bei Vollzeit-Freiberuflern

Bei den Meldepflichten gilt für nebenberuflich Selbstständige das gleich wie für Selbstständige in Vollzeit, demnach müssen Sie sich an die gleichen Regeln halten und Ihre Selbstständigkeit bei den entsprechenden Institutionen und Ämtern melden:

  • Die Anmeldung Ihrer selbstständigen Tätigkeit erfolgt genauso, unabhängig davon ob diese neben- oder hauptberuflich ist. Sollten Sie in beratender Funktion oder mit einer künstlerischen Tätigkeit selbstständig sein, müssen Sie sich beim Finanzamt als Freiberufler anmelden. Sollten Sie gewerblich nebenberuflich tätig sein, ist die Anmeldung des Gewerbes eben an das Gewerbe- oder Ordnungsamt der Stadt zu richten.
  • Was die Meldung beim Finanzamt und damit Ihre Umsätze angeht, sind diese natürlich ebenfalls anzugeben und entsprechend in der Steuererklärung zu vermerken. Das entsprechende Einkommen über die nebenberufliche Selbstständigkeit ist auch zu versteuern, nach dem entsprechenden Regelsatz. Auch hier gibt es keinen Unterschied zwischen der neben- und hauptberuflichen Selbstständigkeit. Wie manchmal irreführend zu finden, entspricht die Kleinunternehmerregeleung keinesfalls der nebenberuflichen Selbstständigkeit. Sie können die Kleinunternehmerregelung bei Gründung im Vollerwerb sowie im Nebenerbwerb in Anspruch nehmen, sodass Sie keine Umsatzsteuer erheben müssen, insofern Sie mit dem erzielten Umsatz die 17.500 € im ersten Jahr nicht übersteigen.
  • Wichtig ist auch die Meldung Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit als Selbstständiger bei der Krankenkasse, da diese Ihre Sozialversicherungspflicht betreffen kann. An sich müssen Sie keine (zusätzliche) Sozialversicherung zahlen, allerdings kann es sein, dass Ihr Entgelt aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit für Ihren Beitrag berücksichtig wird. Insofern sollten Sie Änderungen so früh wie möglich Ihrer Krankenkasse angeben und auch regelmäßig Rücksprache halten, um so Ihren Status immer auf dem neuesten Stand zu haben. Sollte Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit sich so entwickeln, sodass Sie daraus ein höheres Einkommen erzielen und/oder die Arbeitszeit dafür überwiegt, können Sie den Status als Selbstständiger beantragen. Dann werden Sie versicherungsfrei und müssen keine Abgaben mehr für die Renten- und Arbeitslosenversicherung zahlen.
  • Darüber hinaus gilt für Sie auch, dass Sie die gleichen Qualifikationen und Genehmigungen sowie Nachweise für Ihre Tätigkeit (falls erforderlich) erbringen müssen, wie für die hauptberufliche Selbstständigkeit. Das können Einträge ins Handelsregister oder bei Verbänden sein oder aber Zulassungen für Ihre Tätigkeit wie Abschlüsse und Zertifikate.

#3: Zusätzliche unausgesprochene Meldepflicht beim Arbeitgeber

Vergessen Sie nicht Ihren Nebenerwerb auch mit Ihrem Arbeitgeber abzuklären, denn auch wenn Sie keine offizielle Meldepflicht haben, an die Sie gebunden sind, so kann es doch später zu Problemen und im schlimmsten Fall Ihrer Kündigung kommen, wenn Sie die nebenberufliche Selbstständigkeit Ihrem Chef gegenüber verschweigen. Zudem sollten Sie Ihren Arbeitsvertrag nochmals genau durchlesen, denn oft gibt es eine Klausel zu Nebentätigkeiten darin. Aus diesen Gründen sollten Sie Ihren Chef einweihen und bei der Wahl Ihrer Nebenerwerbstätigkeit auch folgende Kriterien beachten:

  • Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit darf keine negativen Auswirkungen auf Ihren Fulltime-Job haben.
  • Der Haupterwerb muss klar vom Nebenerwerb getrennt sein.
  • Es darf keine direkte Konkurrenz durch Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit entstehen.
  • Krankheit und Urlaub dürfen nicht dafür verwendet werden, um Ihre Nebentätigkeit auszubauen.

Wenn Sie diese Regeln beachten und Ihren Arbeitgeber von Ihrem Nebenerwerb in Kenntnis setzen, sollten keine Probleme entstehen.

#4: Vorsicht mit der Scheinselbstständigkeit

Wenn Sie sich nebenberuflich selbstständig machen, sollten Sie außerdem darauf achten, dass Sie nicht der Gefahr einer Scheinselbstständigkeit laufen. Dies ist vor allem in Bezug auf Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge wichtig, da es sonst zu hohen Nachforderungszahlungen kommen kann. Eine Scheinselbstständigkeit steht oft mit einer Weisungsgebundenheit in Zusammenhang. Das bedeutet für Sie konkret, dass Sie auf einige Punkte achten sollten, denn wenn folgende Kriterien zustimmen, deutet das tendenziell auf eine Scheinselbstständigkeit hin:

  • Sie bestimmen Ihre Arbeitszeiten nicht selbst.
  • Sie haben nur einen Kunden bzw. Auftraggeber.
  • Sie verfügen über keine eigenen Geschäfts- bzw. Büroräumen.
  • Sie legen Ihre Preise nicht selbst fest.

#5: Doppelbelastung nicht unterschätzen

Je nachdem ob Sie Vollzeit 40 Stunden in der Woche im Angestelltenverhältnis oder ähnliches arbeiten, sollten Sie die zusätzliche Belastung durch eine nebenberufliche Selbstständigkeit keineswegs unterschätzen. Nicht nur zeitlich bedeutet eine Selbstständigkeit einen gewissen Aufwand, sondern auch die psychische Belastung spielt ebenfalls eine große Rolle. Darüber hinaus fehlt Ihnen natürlich die Zeit, die Sie nach dem Feierabend für Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit aufwenden für Familie, Freunde, Hobbies und Auszeiten für Sie selbst. Zwar ist die freiberufliche Tätigkeit oder das Gewerbe nebenbei eine gute Form, um zu testen, ob Ihre Geschäftsidee langfristig bestehen kann und am Markt eine Chance hat, aber natürlich ist eine Menge zusätzlicher Arbeit damit verbunden. Überlegen Sie daher zu Beginn genau, ob Ihnen Ihre Freizeit wichtiger ist als die Selbstverwirklichung mit einer Gründung im Nebenerwerb und ob Sie diese Herausforderung eingehen wollen. Diese Entscheidung sollte nicht leichtfertig getroffen werden, auch wenn es sein kann, dass sich Ihre Idee für die nebenberufliche Selbstständigkeit etabliert und Sie dadurch eventuell auch später in Vollzeit selbstständig sein können und werden.

 

Wenn Sie diese Kriterien und Pflichten im Auge haben und einhalten, dann steht Ihrer Gründung im Nebenerwerb nichts mehr im Weg. Durch das geregelte Einkommen haben Sie genügend Freiheiten, finanzielle Sicherheit und auch Zeit, um Ihre nebenberufliche Selbstständigkeit auszuarbeiten und in Ruhe und mit einem guten Konzept voranzubringen.

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